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Mount Everest (8848m) - 21.05.2017

Martin Böhm am Mt. Everest – 8848m

Am 21. Mai 2017 stand Martin Böhm (Nick: Vlad) auf dem Dach der Welt! Mit 8848m fast auf der Höhe von Langstreckenflugzeugen und mit nur 33% an Sauerstoffanteil (im Vergleich zur Meereshöhe) ist diese 2-monatige Expedition nichts für schwache Nerven. Er hat den Gipfelerfolg über die anspruchsvollere Nord-Route von China/Tibet aus erreicht. Hier sein persönlicher Bericht:

Am 03.April starteten wir vom Flughafen München aus nach Katmandu (Nepal). In dem Team waren neben mir noch drei Tiroler aus Osttirol: Andi Holzer (Blinder Bergsteiger), Klemens und Wolfgang. Nach Formalitäten in Katmandu flogen wir nach Lhasa (Tibet) – zumindest war das der Plan. Anstatt 1.5h Direktflug hatten wir nach einer Odyssee an Problemen unser Ziel Lhasa erst nach ca. 35h erreicht (Verspätung, defektes Flugzeug, Umleitung zum 1500km entfernten Chengdu und Hotelübernachtung). Mithilfe von einer guten Metal-Offline-Playlist (Spotify, iPhone, 20.000mAH Powerbank ☺) und coolem „Street-food” in Chengdu ging das aber auch. Willkommen in China!



Lhasa liegt bereits auf 3600m und es folgten 2 Tage Sehenswürdigkeiten in Lhasa, wie z.B. der „Potala-Palast” – an dem der Dalai-Lama seinen Sitz hatte (ich fragte nach Heinrich Harrer, aber der war schon weg). In den nächsten 4 Tagen ging es per Kleinbus mit Zwischenstopps in immer kleineren Orten, mit 100% chinesischem Essen immer weiter Richtung chinesischem Basis-Lager (Xigatse 3850m, Xegar 4330m und über Pass-Straßen von bis zu 5200m). Diese recht langsame Anreise hat unserer Höhenakklimatisierung sehr gut getan. 10 Tage nach unserer Abreise sind wir im Chinese Base Camp auf 5200m angekommen und machten es uns in unseren Zelten (unsere Unterkunft für die nächsten 6 Wochen, und ja: es waren zu wenig Offline-Playlists) gemütlich.

Die Anreise in das chinesische Basislager ist durch die Straßenanbindung relativ (!) angenehm – im Vergleich zur Südseite von Nepal. Allerdings ist von hier der Anstieg weiter, schwerer und vor allem windiger und kälter (da viel direkt am Grat gegangen wird).

Vom Basislager aus wird der Gipfel in versch. Lagern bestiegen (normal 1 Tag pro Strecke zw. den Lagern):

Basislager – 5200m
Mittleres Lager – 5800m
Vorgeschobenes Basislager (ABC) – 6400m (Distanz zum Basislager: 22km)
Lager 1 (Nordsattel) – 7050m (erstes „Hochlager”)
Lager 2 – 7700m
Lager 3 – 8300m

Zur Akklimatisierung waren wir ca. 10 Tage im Basislager, im Anschluss ca. 5 Tage im ABC und 2 Nächte auf Lager 1. Im Anschluss zurück ins Basislager zur Regeneration. Jetzt war es „schon” Anfang Mai! 1 Monat und noch nicht wirklich viel Bergsteigen außer einmal die „Wand” zum Nordsattel. Wir hatten den 16. Mai als Gipfeltag geplant und sind daher am 11. Mai vom Basislager aus gestartet. Im ABC hatte sich aber bereits der Wetterbericht verschlechtert. Auch konnten wir auf den Tiroler Wetterexperten (bekannt vom ORF und auch für speziell für Höhenbergsteiger) Karl Gabel zurückgreifen, was uns nochmal mehr Sicherheit gegeben hat, den 16. Mai als Gipfeltag zu streichen.



Nun hieß es Warten. Das Wetter im ABC war sehr gut, aber für den Gipfel wurden 80km/h Wind angesagt. Dies war eine schwere, wenn nicht sogar die schwerste Zeit. Das schlimmste: kein Internet und Spotify streikte. KEIN METAL! Ich konnte nicht mehr schlafen. Nach 3 Tagen fand ich eine Lösung (WLAN zum SAT-Tel – dort aber Internet kappen – somit versuchte Spotify online zu gehen und ich hatte wieder METAL!). Tipp an alle: Falls Ihr plant, wohin zu gehen, wo es wirklich kein Internet gibt (z.B. auf 6400m am Everest) – vertraut nicht auf APPs --- nehmt die guten alten MP3s !!!! Dieses blöde neumodische APP-zeugs.... (und das schlimmste: ich arbeite in der IT-Welt, ich sollte es besser wissen).

Die Angst/Gefahr/Wahrscheinlichkeit wegen falschem Essen, einer Erkältung oder ähnlicher kleiner Erkrankung den Gipfel nicht zu erreichen stieg von Tag zu Tag. So gut wie alle anderen Teams sind wieder in das Basislager abgestiegen, nur wir warteten auf 6400m auf unsere Chance. Am Ende waren wir gut 20 Tage in dieser Höhe, was eine extreme Belastung für den Körper darstellt.

Wir sollten Recht behalten (bzw. Wetterglück haben). Am 17 Mai entschieden wir, am nächsten Tag loszugehen für einen Gipfeltag von 21. Mai. Der Weg zum Lager 1 war diesmal viel leichter, da sich unsere Körper inzwischen sehr gut an die Höhe angepasst hatten. Wie auch beim ersten Aufstieg zum Lager 1 war ab dem „Crampon Point” (wo die Steigeisen angezogen werden) Schluss mit den Kopfhörern. Ich hatte beim ersten Anstieg schon gemerkt, dass ich meine gesamte Energie und Konzentration auf Steigeisen, Jumar (Steigklemme) und meine Schritte fokussieren muss. Beim netten Wandern von Basislager zu ABC war das ohne Metal viel zu langweilig – aber hier hatte ich echt genug zu tun. In den Lagern dann wieder zum Entspannen.



Ab hier (Lager 1) starteten wir nun mit Sauerstoff, und auch der Weg in Lager 2 war für mich einfacher als gedacht (ca. 3h anstatt die veranschlagten 5-6h, dem Sauerstoff sei Dank!). Lager 2 war aber der Wahnsinn. Man kann ohne Steigeisen nirgends „stehen” – aber die Sherpas fanden Platz, um die Zelte irgendwie direkt auf den extrem windigen Grat zu fixieren. Ich verstehe bis heute nicht, wie man hier wirklich übernachten kann, aber es ging! Wie die ersten Tage hatten wir auch beim dritten Tag Richtung Lager 3 gutes, windarmes Wetter und ich brauchte schon deutlich länger (4.5h für weniger Höhenmeter). Nach ein paar Stunden Rast sollten wir am selben Abend um 21:00 Uhr von hier (8300m) Richtung Gipfel aufbrechen – aber die Kommunikation war schwierig und wir starteten erst um 23:00 Uhr (im Nachhinein eine sehr gute Wahl). Die Zeit für die letzten 500 Höhenmeter einzuschätzen ist sehr schwierig, aber wir hatten bisher bereits immer andere Gruppen überholt (z.B. von Basislager zum Mittleren Lager in 2:40h statt 5h) und als ich dann um 23:00 gemeinsam mit meinem Sherpa los bin, war schnell klar, dass ich gut mit der Höhe klar komme. Die erste Gruppe an Russen überholten wir nach ca. 30 Minuten und eine weitere Gruppe nach ca. 1h – und im Anschluss war der Weg frei. Keine Staus wie oft berichtet, zumindest nicht an dem Tag auf der Nordseite (wir sahen die Anzahl der Lichter von der Südseite – hier kann es anders sein). Ich fand einen sehr guten Rhythmus (langsam aber ohne Stopps) und wir waren um 2:30h bereits am bekannten Mushroom Rock. In dem Moment habe ich realisiert, dass ich die erste „schwierigere Stelle – da ein wenig klettern – den sogenannten First Step”... naja ... übersehen habe. Nach dem Wechsel der Sauerstoff-Flasche ging es also mit großen Schritten zur offiziell schwierigsten Stelle, dem Second Step. Hierbei handelt es sich um 3 Leitern, die von den Chinesen 1975 montiert wurden, um die 40m hohe Wand zu überwinden. Klar sind wir hier auf über 8600m und zw. der zweiten und dritten Leiter muss man über ein kleines Plateau/großen Stein und rechts davon geht es WEIT nach unten (aber es geht fast die ganze Zeit fast senkrecht und tausende Meter bergab – wir bewegen uns entlang des Grats!) – aber da meine Konzentration noch sehr gut war, fand ich diese Stelle nicht übermäßig herausfordernd. Auch der Third Step sollte für einen Tiroler keine große Herausforderung sein. Ich musste mir nur ein wenig Zeit lassen, da mein Sherpa sagte, wir sind fast ein wenig zu schnell und wir wollen ja den Gipfel nicht im Dunkeln erreichen. Inzwischen wurde es langsam hell und ich konnte den Horizont sehen. Nach weiteren sehr steilen Schnee-Passagen an der Gipfelpyramide und einer letzten kleinen Kletterei erreichte ich um 05:00 Uhr den Gipfel des höchsten Berges der Welt – genau rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Was für ein Anblick – und was für ein Wind!



Mein Plan, was ich alles machen wollte:
Firmenfahne hissen und fotografieren (FAIL: ich bat meinen Sherpa die Fahne aus meinen Rucksack zu holen, er fand sie nicht. Erst zurück im Lager 3 bemerkte ich, dass ich die Fahne in die Innentasche meines Daunenanzuges gesteckt habe – für einfachen Zugriff... ☹ - die Höhenluft, bzw. die Fehlende ist BÖSE!!!)
Österreichflagge hissen und fotografieren (FAIL: war bei der anderen Flagge) Per SAT-Telefon bei meinen Eltern und in meiner Stammkneipe anrufen (FAIL: es war zu kalt, hätte mit dem iPhone-Akku nie funktioniert – wieder eine APP, die über einen SAT-Hotspot gehen muss – aber iPhone geht da oben nicht)
Summit Foto (PASS: wenn auch kein gutes Foto, Sherpas sind Wahnsinns-Bergsteiger, aber keine Fotografen)
Summit Video (PASS: es ist echt nicht so einfach da oben!)
Gipfelmoshn Video (PASS: danke an meinen Sherpa!)



Leider musste ich das Gipfelmoshn-Video mit „der Musik in meinem Kopf” machen. iPhone hätte nie funktioniert (es waren schon -26°C ohne Wind beim Aufstieg – mit dem Wind waren es wohl ca. -40°C – ein Einschaltversuch wäre zwecklos gewesen). Gefühlt hatte ich 2 Minuten gemoshed !!! Ich war echt überrascht als ich sah wie kurz das war...

Nach einigen Fotos durch die Sherpas machten wir uns aber auch nach ca. 15 Min. schnell wieder auf den Rückweg. Ich habe alles gesehen, und wichtig ist, dass ich schnell und sicher wieder aus der extremen Höhe runterkomme – Ziel Lager 1 auf 7050m. Es war ein Wahnsinns-Gefühl – aber ich denke durch den Mangel an Sauerstoff ist man schon eingeschränkt – und es gab auch genügend Vorkommnisse bei anderen Bergsteigern, bei denen der Mangel zu Problemen beim Abstieg geführt hat. Also nichts wie runter. Bis Lager 3 war noch ok – aber der Weg zu Lager 1 war extrem anstrengend. In Lager 2 Knie verdreht, Blase an Zehen und blau angelaufen von den „falschen” Socken, Brille angelaufen und vereist, Sauerstoff-Maske verrutscht ständig, keine Kraft mehr. Als ich um 15:00 Uhr, also nach 16h mit Pausen, im Lager 1 angekommen bin, war ich am Ende --- aber Glücklich.

Der Rest des Abstieges erfolgte ohne weitere Probleme und ich war froh, Ende Mai wieder in München zu sein (Am Flughafen warteten Freunde mit einem Augustiner und einer Leberkäs-Semmel! Genau das hab ich gebraucht!).

Autor und Fotografie: Martin Böhm



Aktuelles:

Gipfelmoshen-Reportage von VRF

Gipfelmoshen-Reportage mit Ivo Meier

Gipfelmoshen-Fotostrecke bei pr-online

Aachener Zeitung über Gipfelmosher Marc (17.03.2014)

Gipfelmoshen-Reportage RTL - Nachtjournal vom 31.10.13 (Zeit: 00:20:35)



The Number of the Gipfelmosher - 3666



Reportage von ServusTV jetzt auf Gipfelmoshen.de

Magazin: Produkttests

Jahresrückblick 2012

Gipfelmoshen-Videos

Reportage ServusTV - Augenblicke: Do 22.11.12, 19:45

Reportage vom 12.11.12 in Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung

Reportage vom 23.10.12 in der AZ

Gipfelmoshenreportage vom 5.1.2012 auf ARD bei YouTube

Schmücke das Gipfelbuch - Pop-Up zum Selberbasteln