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Women's Vapour Storm Jacket  

Produkttest von LoqUita vom 10.03.2013

Berghaus hat für diese Saison eine neue Hardshelljacke aus GORE-TEX® Active kreiert, die Vapour Storm Jacket. Der Hersteller preist die Jacke als "weltweit erste atmungsaktive Funktionsjacke mit wasserdichten Belüftungsöffnungen" an. Diese wasserdichten Belüftungsöffnungen hat Berghaus patentieren lassen. Weiterhin wird die Vapour Storm Jacket auf der Website von Berghaus als "die ultimative Multi-Activity Jacke", ein "ein Must-Have für ambitionerte Bergsportler" bezeichnet. Sie soll sehr leicht sein, 301 g, und "zuverlässigen Schutz und Tragekomfort" bei "gleichzeitig optimale Bewegungsfreiheit" bieten. Die Vapour Storm Jacket "wurde für das härteste Abenteuerrennen im Gebirge, das „Dragon’s Back“, entworfen und getestet", ist also fürs Laufen optimiert, soll aber dennoch ein Allrounder sein.

Ich will zwei Sätze meines Urteils schon mal vorwegnehmen: Die Vapour Storm ist eine eigentlich geniale Jacke mit äußerst nerviger Kapuzenkonstruktuion. Sie ist eindeutig für den Laufsport optimiert: Dafür ist sie ideal - als Allroundjacke ist sie in Ordnung, das ist aber nicht ihre Stärke.

Und jetzt zur Erklärung und den Details:

Material:

GORE-TEX® Active ist einfach geil! Bisher war GORE-TEX® bei mir immer dicht, und ich merke deutlich, dass es atmungsaktiv ist. Wenn man daraus eine Jacke macht, dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

Schnitt:

Hier muss ich Berghaus wirklich ein ganz großes Kompliment machen. Der Schnitt ist wunderbar tailliert und wirklich gelungen. Die Jacke schmiegt sich an den Körper an und lässt dennoch volle Bewegungsfreiheit. Gerade beim Laufen ist es sehr sehr angenehm, wenn die Regenjacke an der Taille sauber sitzt und nicht unter den Armen rumschlabbert! Ich fühle mich sehr wohl in der Vapour Storm. Dem will ich hinzufügen, dass ein körperbetonter Schnitt auch besser isoliert, da so die Konvektion der Luft, die zu Abkühlung führt, eingeschränkt wird. Dem "Tragekomfort" bei "gleichzeitig optimaler Bewegungsfreiheit" kann ich mit Nachdruck zustimmen. Es ist wirklich ein vergleichweise enger Schnitt ohne Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit gelungen.





Die Länge an Armen und Hüfte ist für mich in Ordnung, allerdings bin ich nur 1,60 m groß. Ich trage die Jacke in Größe M. Beim Laufen bei kaltem Wetter verstecke ich nämlich meine Hände gerne mal in den Ärmeln, bis die Finger warm werden. Das geht hier gerade noch. Hinten wäre sie zum Radfahren zu kurz.

An den Armen hat die Jacke übrigens Armbünchen mit einem locker sitzenden Gummizug und keine Verstellmöglichkeit. Da die Arme aber eh niemandem zu lang sein werden, gibt es hier auch keinen Bedarf den Bund zu fixieren. Dann habe ich noch ein gelbes Gummiband an der Innenseite der Armbündchen gefunden und musste erst mal über den Zweck dieses rätseln. Es sollen wohl Daumenschlaufen sein. Tja, bald gibt gar nix mehr ohne Daumenschlaufen. Hier sind sie ziemlich unnötig, stören aber auch nicht.





Der Schnitt der Jacke ist nicht dafür konzipiert, zehntausend Isolationsschichten drunter zu ziehen, aber normale Winterausrüstung geht problemlos.

Kapuze:

Leider die Schwachstelle der sonst so genialen Jacke.

Die Kapuze ist sehr "geräumig", es passt auch noch ein Helm drunter. Sie ist durch ein Zugband, welches an Hinterkopf entlang geführt wird, verstellbar. Dadurch lässt sie sich auf dem Kopf fixieren. Dann ragt das Kapuzenschild relativ weit nach vorne - was bei starken Regen sicher gut ist -, aber der Blick ist relativ eingeschränkt. Ein zweiter Mechanismus, um die Kapuze nach hinten ziehen zu können, wäre gut, denn machmal will man gerne mehr sehen, und wenn die Kapuze nur gegen Wind schützen soll, dann braucht man auch das Regenschild nicht. Außerdem hält die Kapuze nur am Kopf, wenn man sie relativ eng fixiert und den Frontreissverschluß der Jacke komplett oder zumindest fast komplett schließt. Sonst reicht schon der "Fahrtwind", um sie runter zu blasen. Mir wurde da beim Laufen schnell zu heiß (Regen, ca. 7 Grad). Auch hier hätte man mit einem zweiten Verstellmachnismus optimieren können.





Nagut, dieser Nachteil allein reicht noch nicht um ein ganzes Pentagramm abzuziehen, aber leider ist da noch was, was mich verrückt macht:

An der ganzen Jacke fällt auf, dass alle Verstellmechanismen, d.h. Knöpfe, Bänder, etc. versteckt sind - wohl aus Gründe des Design. Die Knöpfe, welche die Bänder fixieren, sind in der Jacke eingenäht und man muss sie ertasten. Das ist ganz gut gelungen. ABER: Bei der Kapuze sind auch die Bandenden, an denen man ziehen muss, um sie enger zu stellen, nach innen geführt. Warum das gar nicht geht und mich ausflippen lässt, will ich Euch erklären: Man hat ja schon den Wunsch die Kapuze immer mal wieder auf und abzuziehen. Hat man sie aber auf, dann kann man sie nur abziehen, indem man sie lockert. Hat man sie nicht auf, muss man sie zuziehen, damit sie am Kopf hält. Das heisst, immer wenn ich die Kapuze auf oder abziehen will muss ich an die Bänder. Um an die Bänder zu kommen muss ich die Jacke aufmachen. ARRRGGG! Das ist ends nervig. Und: Hat man dann noch nen Rucksack auf und das Brustband zu, dann muss man auch noch das Brustband aufmachen, um die Jacke weit genug öffnen zu können. WAHH! Für mich eine Fehlkonstruktion, aufgrund der die sonst so tolle Jacke ein Pentagramm einbüßen muss.





Verarbeitung:

top! da gibts nix zu merkern.

Ausstattung:

naja, bei Laufjacken sind Taschen eben gerade nicht im Trend. Trotzdem, meine Mütze verstauen zu können finde ich durchaus sinnvoll. Das reicht mir ja dann auch. Diese hier hat eine kleine Brusttasche, sonst nix. Könnte reichen für die Mütze, denkt man... naja, wird schon etwas eng dort ... und ungleichmäßig links und rechts. Wieso eigenlich macht man überhaupt Brusttaschen bei Damenjacken? Kann mir das mal jemand erklären?





Das patentierte Belüftungssystem:

Dass Bergahaus die "wasserdichten Belüftungsöffnungen" patentieren lassen hat, schindet natürlich erstmal heftig Eindruck. Da erwartet man eventuell eine großartige geniale neue Erfindung. Wer sich mal mit Patenten oder wissenschaftlichen "Neuentwicklungen" beschäftigt hat, der weiß, dass alle nur mit Wasser kochen. Das tut auch Berghaus. Das ist keine Aussage über die Funktion des Systems, allerdings steht die Idee dahinter nicht unbedingt mit der Erfindung des Rades, der Dampfmaschine oder mit der Relativitätstheorie auf einer Ebene.

Das ganze ist eigentlich recht einfach: Berghaus macht sich Tatsache zu Nutze, dass das Wasser nach den Gesetzen der Physik von oben nach unten fließt. So wurden horizonale Belüftungsschlitze eingearbeitet, bei denen die Membran oberhalb noch um einige cm nach unten weitergeführt wurde und somit den Schlitz abdeckt. Nach unten kann dann der Dampf entweichen. Damit es klarer wird hier eine kleine Grafik:





Und was ist eigentlich die Definition von "wasserdicht"? spritzwasserdicht, regendicht, wasserdicht bis so-und-so-viel Meter Wassersäule, dicht bei Dusche von oben? Letzeres trifft auf die Defition von Berhaus zu. Drückt man das Ding ins Wasser (ich habe den Waschbeckenversuch gemacht - siehe Foto), kommt natürlich sofort Wasser durch. Es gibt keinen selbstschließenden Mechanismus wie bei Eiswürfeltüten. Wasser und Druck geht also gar nicht. Und ich bin mir auch nicht sicher ob ich die Jacke zum Mountainbiken taugt, denn dass das Wasser und der Dreck da von unten kommt weiss jeder Biker.





Ich finde das System ok. Ich habe mich sehr bemüht rauszufinden, ob es wirklich einen Zugewinn zur Atmungsaktivität von GORE-TEX® Active bringt. Leider kann ich das wirklich nur schwer beurteilen. So wirklich deutlich gemerkt habe ich keinen Unterschied. Die Atmungsaktivität ist wirklich gut und das bei sehr körperbetontem Schnitt. Ich bilde mir ein, dass sie tatsächlich ein Stück besser als bei durchgehendem Material ist, ein Mega-Unterschied ist es aber definitv nicht, und ich kann es nicht beschwören. Es ist ja auch zu bemerken, dass durch den Schnitt des Belüftungssystems das Material an einigen Stellen doppelt liegt... dort atmet es wieder weniger und ein bissle schwerer wird die Jacke natürlich auch.

Reine Spekulation: Ich kenne Situation, in denen GORE-TEX® Active keine Chence mehr hat zu atmen: Schneesturm, so dass sich ein Kruste aus windgepresstem Schneematsch auf der Jackenoberfläche bildet. Oder: Starker Regen, so stark dass das Abperlen hinfällig wird, weil ständig neues Wasser nachkommt, und sich so ein Wasserfilm auf der Jackenoberfläche bildet. Dann - vielleicht - gibt es da noch Belüftungschlitze, die atmen können.

Viele Hardshelljacken bieten Belüftungsschlitze mit Reißverschluß unter den Armen. Dieses System ist natürlich viel wirkungsvoller, wegen der vollen Öffnung. Für Skitouren beispielsweise finde ich das super. Speziell beim Laufen sind offene Reisverschlüssse aber recht nervig, wegen dem Geschwabbele unter den Armen - hier ist Bergahus besser.

Gewicht:

Leicht ist die Jacke schon. GORE-TEX® Active hat einfach ein gewisses Eigengewicht, an dem der Hersteller der Bekleidung nicht schrauben kann. Gewicht lässt lässt sich daher hauptsächlich durch das Weglassen von Taschen, Reisverschlüssen und sonstigem Schnickschnak sparen. Das hat Berghaus getan. 301 g gibt Berghaus an, 310 g steht auf meiner Waage.

Preis:

Der Preis von 350 Euro ist normal für eine gut ausgestattete und durchdachte GORE-TEX® Active-Jacke. Die hier hat allerdings nur eine Tasche und keine besonders ausgereifte Kapuzenkonstruktion, was den Preis senken müsste. Allerdings hat sie stattdessen das Belüftungssystem, für welches man dann wieder zahlt.

Empfehlung:

Für Laufsport bei anspruchsvoller Witterung volle Empfehlung! Die Vapour Storm ist eindeutig eine Lauf-Jacke. Eine "ultimative Multi-Activity Jacke", wie der Hersteller sagt, ist sie nicht. Sie ist als Allroundjacke auch in Ordnung, ich würde da jedoch eher zu einer Jacke mit etwas mehr Taschenvolumen greifen, und mit Belüftungsschlitzen mit Reißverschluß unter den Armen.

Gesamturteil:

Von fünf Pentagrammen gibt eins Abzug wegen der Kapuzengeschichte, also vier Pentagramme.

Nachtrag:

Ich habe jetzt eine pragmatische Lösung für die innenliegenden Kapuzenbänder gefunden: Die Bänder durch die Belüftigsschlitze wieder nach außen führen - juchee - siehe Foto.








Aktuelles:

Gipfelmoshen-Reportage von VRF

Gipfelmoshen-Reportage mit Ivo Meier

Gipfelmoshen-Fotostrecke bei pr-online

Aachener Zeitung über Gipfelmosher Marc (17.03.2014)

Gipfelmoshen-Reportage RTL - Nachtjournal vom 31.10.13 (Zeit: 00:20:35)



The Number of the Gipfelmosher - 3666



Reportage von ServusTV jetzt auf Gipfelmoshen.de

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Jahresrückblick 2012

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Reportage ServusTV - Augenblicke: Do 22.11.12, 19:45

Reportage vom 12.11.12 in Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung

Reportage vom 23.10.12 in der AZ

Gipfelmoshenreportage vom 5.1.2012 auf ARD bei YouTube

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